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30.7.2010 : 5:30 : +0200

Die Binnendüne

In Stromtälern gehören Flusssanddünen zu den ursprünglichen und charakteristischen Lebensräumen. Vor Eindeichung des Rheins wurde bei niedrigen Wasserständen der bloßliegende Ufersand vielerorts vom Winde verweht und in einiger Entfernung als Sanddüne wieder abgelagert.

Diese Umlagerung von Sandmassen durch Wasser und Wind lässt sich in kleinem Maßstab auch heute noch am Rheinufer beobachten. Wo im Sommer breite Sandstrände trockenfallen, werden beträchtliche Mengen von Sand auf die Uferwälle verfrachtet. Solche Inititialdünen beeinträchtigen allerdings die Bewirtschaftung der ufernahen Flächen und werden deshalb möglichst rasch wieder eingeebnet.

Die Wisseler Dünen in Nähe der Stadt Kalkar sind im Mittelalter entstanden und stellen das einzige noch gut erhaltene Dünengebiet am Niederrhein dar.

Jahrhundertelang wurde das sandig-trockene Gelände als karge Gemeindeweide genutzt. Die Beweidung mit Rindern und Pferden hat eine Bewaldung verhindert und die Pflanzendecke bis heute entscheidend beeinflusst.

Das Silbergras (Corynephorus canescens) gehört zu den typischen Dünenpflanzen, die in der Lage sind, lockeren und stark austrocknenden Sand zu besiedeln. Die blaugrünen Horste bilden eine lückige Vegetationsdecke, in der lediglich noch einige kurzlebige Kräuter wachsen. Um der extremen Sommertrockenheit zu entgehen, bilden diese Sandkräuter bereits im feuchten Herbst kleine Blattrosetten, die im grünen Zustand überwintern. Sie blühen zeitig im Frühjahr, gelangen vor der Sommertrockenheit zur Samenreife und sterben dann normalerweise ab.

 

 

In älteren Stadien der Silbergras-Rasen breiten sich trockenheitsangepasste Moose und Flechten aus, bis stärkere Sandverwehungen die Teppiche überdecken und wieder offene Sandstandorte schaffen.

 

 


In den Wisseler Dünen finden heute nur noch an wenigen Stellen Sandverwehungen statt. Solche offenen Stellen machen den besonderen Reiz dieser kargen Landschaft für den Spaziergänger aus.

 

 


Sonnenexponierte, vegetationslose Standorte innerhalb der Sandrasen und an den Dünenhängen haben herausragende Bedeutung für die Tierwelt. Hier jagen Sandlaufkäfer nach Beute und hier graben spezialisierte Wildbienen und Sandwespen ihre Brutröhren.

 

 

 

Wildkaninchen sorgen mit ihrer Grabetätigkeit ganz entscheidend dafür, dass offene Sandstellen erhalten und neugeschaffen werden.

 

 


In Dünentälchen, wo die wasserstauende Lehmschicht des Untergrundes langanhaltende Nässe verursacht, bilden Wiesen-Segge (Carex nigra), Pfeifengras (Molinia caerulea) und Binsen-Horste (Juncus effusus) einen eigenständigen Biotoptyp, in dem feuchtigkeitsliebende Tierarten wie in einer Oase überleben können.