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5.2.2012 : 13:29 : +0100
Deichvorland an der Emmericher Brücke
Großflächige Wiesenmahd zur Silagegewinnung
Auengrünland am Stadtrand von Rees
Blumenreiche Deichböschung
Artenreiche Glatthaferwiese
Stachelige Pflanzen werden als "Weideunkräuter" vom Vieh gemieden

Das Grünland

Die moderne Grünlandwirtschaft hat mit verstärkter Nährstoffzufuhr und erhöhter Nutzungsfrequenz eine beträchtliche Steigerung der Erträge erzielt. Mit der effizienten Förderung wertvoller Futtergräser ist eine flächendeckende Nivellierung der Grünlandvegetation einhergegangen. Artenreiche Grünlandgesellschaften, die feine standörtliche Unterschiede widerspiegeln können, sind weitgehend verschwunden.

Für die Tierwelt in Wiesenschutzgebieten ist die Grasmahd zur Gärfuttergewinnung problematisch, wenn sie gleichzeitig auf großen, zusammenhängenden Flächen erfolgt. Für Niederwild, Insekten und andere Kleintiere bleiben dann keine geeigneten Ausweichquartiere auf benachbarten Flächen oder an den Parzellenrändern übrig.

Auch intensiv genutztes Grünland kann ein reizvoller Anziehungspunkt in Erholungsgebieten sein. Voraussetzung dafür ist, dass belebende Landschaftselemente wie alte Weißdornsträucher, Kopfbäume oder zeitweilig wassergefüllte Geländemulden erhalten bleiben und geschont werden. Ein Beispiel dafür zeigt ein Bild vom Deichvorland nahe Rees bei hohem Rheinwasserstand.

Einige extensiv genutzte Deichabschnitte sind Refugialstandorte für selten gewordene Wiesenkräuter. Auf kleiner Fläche konzentrieren sich hier Restbestände von Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Zittergras (Briza media), Wiesenknopf (Sanguisorba minor) und anderen Arten, die keine Stickstoffdüngung ertragen und relativ trockene Böden bevorzugen. Ihre ursprünglichen Wuchsorte liegen auf Uferwällen und Kiesrücken innerhalb der Stromaue, die heute eingeebnet und aufgedüngt sind.

 

Bunte Glatthaferwiesen mit Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Margerite (Leucanthemum vulgare), Flaumhafer (Avenochloa pubescens) oder Klappertopf (Rhinathus minor) sind auf wenige Deichböschungen und einige schwach gedüngte Wiesenflächen in den rheinnahen Naturschutzgebieten (z.B. Salmorth, Hübsche Grändort) beschränkt. Mit dem Blütenreichtum ist eine mannigfaltige Insektenwelt verbunden.
Weidezäune und sonnige Wegränder sind wichtige Sonderstandorte in Grünlandgebieten. Zahlreiche Wiesenpflanzen und Kleintiere, die auf den intensiv bewirtschafteten Mähweiden keine Überlebenschance haben, können hier gedeihen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Randstreifen von Düngung und Pestizideinsatz verschont bleiben.

 

Normalerweise hat die naturschutzorientierte Extensivierung von Wirtschaftsgrünland zum Ziel, standorttypische Grünlandbestände, die je nach Bodenart, Feuchtestufe und Basengehalt ganz unterschiedlich aussehen können, wiederherzustellen. Dazu muss der nivellierende Einfluss starker Düngung verringert werden. Zuallererst ist deshalb eine drastische Reduzierung der heute üblichen Düngergaben erforderlich, damit sich artenreiches Grasland entwickeln kann. Bei mehrmaliger Schnittnutzung reichen wenige Jahre der Aushagerung bis genügsamere Arten, wie z.B. Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Schafgarbe (Achillea millefolium), Sauerampfer (Rumex acetosa) und Roter Wiesenklee (Trifolium pratense) in die Grasnarbe zurückkehren und für bunte Blühaspekte sorgen.


Strukturvielfalt in der Grasnarbe (Disteltrupps, Binsenhorste,  Altgrasbestände, Staudensäume) bietet günstige Rahmenbedingungen für verschiedene Tiergruppen im Grünland. Sie kann auf Dauerweiden relativ rasch geschaffen werden, indem die üblichen Pflegeschnitte reduziert werden. Das ist für den Bewirtschafter natürlich nur akzeptabel, wenn der Ertrag von diesen Flächen nebensächlich ist.