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27.3.2017 : 4:39 : +0200
Abb. 1) Paläogeographische Lage während des ersten Inlandeisvortoßes der Saale-Kaltzeit
Abb. 2) Paläogeographische Lage während des Holozäns
Abb. 3) Rheinverläufe ab dem 13. Jahrhundert

Landschaftsentwicklung

Eis und Wasser haben die Landschaft am Unteren Niederrhein in den letzten 250.000 Jahren mehrfach umgestaltet. Dies ist auch am heutigen Relief noch deutlich zu erkennen.

In der vorletzten Eiszeit (Saale-Kaltezeit) sind die Gletschermassen von Skandinavien aus nach Süden bis an den Niederrhein vorgestoßen (siehe Abb.1). Die Eisfront drängte den Rhein nach Südwesten ab, schob Rheinsedimente (Sand und Kies) vor sich her und presste sie in die Höhe. So entstanden die bogenartigen Stauchmoränen. Schmelzwasser von den Gletschern transportierte Sande an den Eisrand, wodurch die Sanderschüttungen an den Rändern der Stauchmoräne entstanden.

Während der letzten Kaltzeit (Weichsel-Kaltzeit, siehe Abb. 2) hat das Eis das Niederrheingebiet nicht mehr erreicht und es lag ein kalt-trockenes Tundrenklima vor. Der Wind wehte Flugsand und Löß über die höheren Geländeteile und lagerte sie ab. Schnee-Schmelzwasser zerschnitt die gefrorenen Randbereiche der Stauchmoränen mit Tälern.

Der Rhein war während dieser letzten Kaltzeit ein riesiges, verflochtenes Flusssystem mit zahlreichen kleinen und flachen Inseln zwischen einem verästelten, seichten Gewässernetz.

Der Rhein wurde jetzt nicht mehr vom Eis abgedrängt und floss mit seiner Sedimentfracht um die Stauchmoränenhügel herum nach Nordwesten (heutige Niers-Niederung), Norden (heutiges Rheintal) und Nordosten (heutige Issel-Niederung). Diese Landschaft ist als Niederterrassen-Landschaft in Teilen bis heute erhalten geblieben.

Bei der allmählichen Klimaverbesserung nach den Eiszeiten hörten die starken Abflussschwankungen durch Schmelzwasser auf. Zudem verminderte die sich nun entwickelnde Vegetation die Dynamik von Wasser und Sedimenten. Daher waren die Flüsse nicht mehr so wild in unzählige Seitenarme verflochten, sondern begannen große und weite Bögen zu entwickeln. Gleichzeitig begannen sie, sich langsam in die eiszeitlichen Talsohlen einzugraben und auch seitlich ihren Lauf zu verändern (zu mäandrieren). So entstand nach und nach die heutige Talaue mit der Niederterrassenkante. Die heutigen Flusssysteme von Rhein, Niers und Issel bildeten sich heraus.

Die mäandrierenden und sich über Jahrhunderte verlagernden Flüsse prägten die Landschaft bis in die Neuzeit. Sie schufen im Kreis Kleve eine ca. 15 km breite Aue, in der der Strom sich bewegte und auch so manche Siedlung mit sich nahm, Altarme und Inseln schuf und vergehen ließ. Die Entstehung des Bienener Altrheins (siehe Abb. 3) zeigt beispielhaft die Pendelbewegung des Rheins ab dem 13. Jahrhundert. Diese Geschichte endete mit dem Einfluss des Menschen, der den Strom mit Deichen eindämmte und seine Ufer befestigte. 

Ausführlichere Informationen zur Landschaftsentwicklung finden Sie in den Veröffentlichungen Natur und Landschaft im Kreis Kleve: Von Werneke, U., Schwöppe, M., Ahrendt, W. & Bremer, G., Erschienen in: 25 Jahre Kreis Kleve - Eine runde Sache. Hrsg. Kreis Kleve (2000) (ISBN 3-9804731-0-4) sowie Geologische und Naturräumliche Entwicklung der Landschaft des unteren Niederrheins mit Schwerpunkt Rees-Bienen (2000) von Dipl. Geol. Heiko Freitag und Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e. V., Hrsg. Heimatfreunde Rees-Bienen e. V.. Beide Veröffentlichungen können über unser Bestellformular bezogen werden. Eine modellhafte Darstellung der Landschaftsentwicklung ist im Infozentrum Keeken zu besichtigen.