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8.9.2010 : 2:14 : +0200

Das Steinkauzprojekt (1996-2003) des Naturschutzzentrums diente zur kreisweiten Erfassung des Steinkauzbestands sowie wichtiger Lebensraumelemente

Foto M. Woike
Foto M. Woike

 
Den Abschlussbericht des Steinkauzprojektes finden Sie hier.

Verbreitung im Kreis Kleve

Siedlungsdichte des Steinkauzes zwischen Emmerich und Rees

Anzahl der Steinkauzreviere/qkm in einem 35,5 qkm großen Untersuchungsgebiet zwischen Emmerich und Rees
Anzahl der Steinkauzreviere/qkm in einem 35,5 qkm großen Untersuchungsgebiet zwischen Emmerich und Rees in den Jahren 1977-1987 sowie 1997, 1999, 2005 und 2008

Neben zufälligen Witterungsereignissen ist vor allem der Rückgang an Höhlenbäumen eine mögliche Ursache für den Bestandsrückgang des Steinkauzes

Ergebnis des Steinkauzprojekts: In verschiedenen Regionen sind unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll

Vorrangräume für unterschiedliche Maßnahmen zum Steinkauzschutz im Kreis Kleve

 

 

Das Steinkauzprojekt

Von 1996 bis 2003 wurden für den Steinkauz relevante Umweltparameter im gesamten Klever Kreisgebiet flächendeckend kartiert und digital erfasst.
Ein Projektschwerpunkt lag in der digitalen Erfassung sämtlicher raumbezogener Daten mit Hilfe der GIS-Software ArcView zum Aufbau eines Steinkauz-Informationssystems, das detaillierte Auswertungen und Lebensraumanalysen sowie vielfältige kartographische Darstellungen der Ergebnisse erlaubt.

Zwischen 1997 und 2001 wurde die Siedlungsdichte des Steinkauzes untersucht. Insgesamt wurden 755 Reviere (rufende Männchen) ermittelt, das sind 12 % des bundesweiten Bestandes dieser deutschlandweit stark gefährdeten Eulenart. Der Siedlungsschwerpunkt lag eindeutig im grünland- und kopfbaumreichen Rheinstromtal (Projektgebiet Nord).

Es wurden fast 22.000 Kopfbäume kartiert, davon allein 17.401 im Rheinstromtal. Unter den Kopfbäumen dominiert die Weide mit mehr als 80 %. Neben der Weide bilden v. a. im Rheinstromtal auch Pappel, Esche und Eiche zahlenmäßig nennenswerte Bestände. Dagegen dominiert die Weide im Mittel- und Südkreis zu mehr als 90 %. Der Kopfbaumbestand ist im Stromtal stark überaltert, insbesondere die beiden Hartholzarten Esche und Eiche, während im Mittel- und Südkreis der Anteil junger Bäume bei weitem überwiegt.

Im Rahmen der Obstwiesenkartierung wurden 2651 Bestände mit 4 oder mehr hochstämmigen Obstbäumen erfasst. Die Gesamtzahl der Obstbäume beläuft sich auf fast 38.000. Die meisten Obstwiesen wurden im Mittelkreis, hier vor allem auf der Gocher Heide, kartiert. Die Bestände sind, was Flächengröße und Baumbestand betrifft, relativ klein und überaltert. Viele Bestände erfüllen nicht die Fördervoraussetzungen des Kulturlandschaftsprogramms (Mindestflächengröße 0,25 ha, 36 Bäume/ha). Noch am größten sind die Bestände im Nordkreis (im Mittel 0,39 ha, 16,6 Bäume), im Südkreis sind sie am kleinsten (0,24 ha, 11,3 Bäume). Häufigste Obstbaumart ist der Apfelbaum mit einem Anteil von rund 40 %. Obstwiesen werden zumeist als Weide genutzt, im Nordkreis überwiegend durch Rindvieh, im Südkreis überwiegend durch Pferde.

Im Rahmen der Flächennutzungskartierung wurden fast 60.000 Flächen erfasst und digitalisiert. Dominante und für den Steinkauz besonders wertvolle Nutzungsform im Nordkreis ist das Grünland mit einem Anteil von ca. 40 %. Im Mittel- und Südkreis herrscht dagegen Ackernutzung vor, der Grünlandanteil liegt hier bei lediglich 15,7 bzw. 17,0 %.
Die GIS-Auswertung ergibt, dass Steinkauzreviere im Rheinstromtal (Nordkreis) über weit mehr Grünland verfügen als im Mittel- und Südkreis. Kopfbäume spielen nur im Nordkreis eine wesentliche Rolle als Brutbaum. Wichtige Lebensraumrequisiten im gesamten Kreis sind Gehöfte, die den Steinkäuzen v. a. im Winter über Notsituationen (längere Schneebedeckung) hinweg helfen. Im Mittel- und Südkreis haben Streuobstbestände für das Vorkommen von Steinkäuzen größere Bedeutung. Im Nordkreis verfügt fast die Hälfte aller Reviere über Siedlungsflächen (überwiegend Gehöfte), mindestens einen alten Kopfbaum und mindestens einen Streuobstbestand (Revierausstattung "de Luxe"). Im Mittel- und Südkreis herrscht dagegen die "Grundausstattung" vor, d. h. nur einer der drei bei dieser Auswertung berücksichtigten Parameter ist im Umkreis von 200 m vom kartierten Revierzentrum vorhanden.

Die Besiedlungsdichte des Steinkauzes in einem 35,4 qkm großen Unterschungsgebiet zwischen Emmerich und Rees wurde zwischen 1977 bis 1987 jährlich erfasst. Folgekartierungen gab es 1997, 1999, 2005 und zuletzt 2008. Die Bestandsdichte schwankte dabei im ersten Abschnitt des Untersuchungszeitraumes um 1,5 Reviere/qkm. In den Untersuchungen 1999 und 2005 wurden Werte um 1,0 Revier/qkm erreicht.  Maximale Dichten wurden mit 2,0 im Jahr 1983 und minimale mit 0,9 im Jahr 2005 ermittelt. 2008 stieg die Siedlungsdichte erfreulicherweise wieder auf 1,5 Revier/qkm an. Die Werte fluktuieren in einigen Jahren besonders auffällig. 1979 und 1984 waren starke Einbußen in der Populationsdichte zu beobachten, die auf besonders strenge, schneereiche Winter zurückzuführen sind. 1999 lässt sich als Ursache für den Rückgang zumindest teilweise ein lang anhaltendes Hochwasser im Spätherbst/Winter 1998/1999 anführen. 2005 war wiederum die verhältnismäßig lange Schneebedeckung mitbeteiligt an der erneuten Abnahme des Bestands. Doch auch andere Ursachen kommen in Frage.

Die Analyse der Ergebnisse der 1977 von EXO und 1997 vom Naturschutzzentrum durchgeführten Flächennutzungskartierung des 35,4 qkm großen Untersuchungsgebiet zwischen Emmerich und Rees ergab, dass die Verteilung und Häufigkeit der Dauergrünlandflächen, die überwiegend die überschwemmungsgefährdeten, rheinnahen Bereiche dominieren, nahezu unverändert ist. Der Rückgang von 46,6% auf 41,9% im EXO-Gebiet erscheint gering, ist vor allem aber auf die Zunahme der Siedlungsflächen zurückzuführen. Streuobstwiesennutzung, Landwirtschaft im Nebenerwerb und Hobbytierhaltung in Ortsrandlagen haben erhebliche Bedeutung für den Steinkauz. Der Vergleich der Kopfbaum- und Hochstammobstbaumkartierung von 1977 mit 1995 deutet nicht unerhebliche Verluste von Höhlenbäumen an. Die Gesamtzahl an geeigneten Kopfhöhlenbäumen (Stammdurchmesser > 30 cm) im EXO-Gebiet betrug 1977 1188, von diesen wurden vom Naturschutzzentrum 18 Jahre später 798 Kopfbäume erfasst, also ein Verlust von 390 Bäumen (33%). Bei den Hochstammobstbäumen betrug die Anzahl 1977 775, wovon 442 in 1995 noch erfasst wurden. Der Verlust an geeigneten Hochstammobstbäumen lag bei 333 (43%). Möglicherweise spiegelt die niedrigste im Beobachtungszeitraum festgestellte Besiedlungsdichte des Steinkauzes von 2005 diese Entwicklung wider.

 
Aufgrund der vorliegenden Kartierdaten und Ergebnisse aus den GIS-Auswertungen wird empfohlen, zukünftige Schutzbemühungen um den Erhalt des Steinkauzes und seines Lebensraums auf die aktuellen Dichtezentren zu konzentrieren, insbesondere die kopfbaum- und grünlandreichen Landschaftsbereiche im Rheinstromtal. Maßnahmen zum Erhalt von Kopfbäumen sollten sich fast ausschließlich auf den Nordkreis konzentrieren, Maßnahmen zugunsten der Obstwiesen sollten neben dem Nordkreis auch in gut besiedelten Gebieten außerhalb des Rheinstromtals dort durchgeführt werden, wo bereits ein dichtes Netz von Obstwiesen besteht (z. B. Gocher Heide). Das Aufhängen von Nistkästen als kostengünstige Sofortmaßnahme sollte in grünlandreichen und vom Steinkauz besiedelten Teilräumen mit einem Mangel an natürlichen Nistgelegenheiten erfolgen. Aufgrund der hohen Bedeutung, die die Nähe zu Gehöften für den Steinkauz hat, sollten alle genannten Maßnahmen in Hofnähe erfolgen.
Die Erfahrungen im Kreis Kleve haben gezeigt, dass die Schutzbemühungen durch eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Landschaftsbehörde, sozialer Einrichtung (Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen mit Pflegen und Pflanzen, SOS-Ausbildung und Beschäftigung), Obstkelterei, Heimatvereinen, Naturschutzgruppen und dem Naturschutzzentrum (Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit) weitere gezielte Schritte ermöglichen. Der Kreis Kleve hat seit 1980 ca. 7500 Hochstammobstbäume der alten Sorten an Interessenten vergeben. Diese Bäume machen einen großen Anteil (ca 75%) bei den jungen Altersklassen aus. SOS-Ausbildung hat über 200 größere Bestände aller Altersklassen gepflegt und Abgänge nachgepflanzt. Häufig wird der nicht vom Eigentümer genutzte Obstertrag aufgelesen, gekeltert und verkauft. Diese gemeinsamen Aktivitäten müssen noch verstärkt werden, um die Lücken zu schließen, die die überalterten Kopf- und Obstbaumbestände in den nächsten zwei Jahrzehnten hinterlassen werden. Die Stabilität der Steinkauzpopulation im Dichtezentrum Mitteleuropas ist ansonsten gefährdet.
Die wirtschaftliche Nutzung von Obst und Holz ist ein entscheidender Schritt für den Erhalt der Kulturlandschaft Unterer Niederrhein. Weitere Bemühungen im Steinkauzschutz sollten die Niederlande und die angrenzenden Kreise mit einbeziehen.